Struvit-Kristallurie

Struvitkristalle kommen häufig und vielgestaltig in Hunde- und vor allem Katzenharn vor.  Das Verständnis für die Pathophysiologie hilft die Gefahr für Struvitkristalle zu minimieren.

Struvit - ein häufiger Befund bei Harnwegsinfektionen

Mineralname

Stuvit

 

Chemische Bezeichnung

Magnesium-Ammonium-Phosphat-Hexahydrat

 

Formel

MgNH4PO46H2O

 

Bildquelle: Struvite_Kristalle_Von Doruk Salancı - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, httpscommons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=20870070

Das obere Bild zeigt Struvitkristalle. Diese können viele verschiedene Formen annehmen. Im frischem Harn sind sie sehr scharfkantig. Sie sind farblos, häufig drei- achtseitige Prismen. Die häufigste Form wird als Sargdeckel beschrieben. Es gibt aber auch flache, quadratische oder rechteckige Formen. Einige Struvitkristalle sehen Kristallen aus Cystin sehr ähnlich.

Pathophysiologie

Wenn wir in Harnproben Struvitkristalle finden, dann ist in dem Harn eine Übersättigung mit Magnesium (Mg), Ammonium (NH4) und Phosphat (PO4) eingetreten.

Ob das Auffinden von Struvitkristallen  eine diagnostische, prognostische oder therapeutische Bedeutung hat, hängt von vielen Faktoren ab. Die Krankheitssymptome  spielen ebenso eine Rolle wie die Behandlung der Harnprobe.

Die erste wichtige Frage ist, ob sich die Kristalle bereits in der Harnblase gebildet haben (in vivo), oder erst nach Probengewinnung (in vitro). Dies ist wichtig, da in vivo gebildete Kristalle eine größere Bedeutung haben.

Harn sollte also immer sehr zügig nach Probengewinnung untersucht werden! Bringen Sie keinen alten, abgestanden Urin zur Untersuchung.

Dem pH-Wert kommt eine Schlüsselrolle zu. Je alkalischer (hoher ph-Wert) der Harn ist , desto weniger löaslich ist Struvit und fällt aus. Typischerweise treten die Struvitkristalle im Zusammenhang mit dem Vorhandensein von freiem Ammonium auf. Dabei stammt das Ammonium bei Hund und Katze aus unterschiedlichen Quellen:

Hund

Bei Harnwegsinfektionen mit Ureasebildenden Bakterien entsteht aus dem im Harn vorhandenen Harnstoff Ammoniak und Kohlendioxid. Das Ammoniak reagiert mit Wasser zu Ammonium und Hydroxylionen. Nun kann das Ammonium mit  Phosphat- und Magnesiumionen zu Struvit reagieren.

Katze

Bei Katzen stammt das Ammonium vermutlich aus den Nierentubuli.


In vivo Struvitkristallurie bei:

  • Klinisch unauffällige Tiere mit alkalischem Harn pH. Eine lange Verweildauer des Harns in der Blase durch seltenen Harnabsatz fördert Kristallbildung.
  • Sterile oder infektionsbedingte Struvitsteine
  • Harnwegserkrankungen ohne Urolithiasis (Ausbildung/Vorhandensein von Harnsteinen)
  • Harnwegsinfektionen
  • Futter: Feuchtigkeitsgehalt, hoher Proteinanteil (Harnstoffquelle), hoher Phosphatgehalt, hoher Magnesiumgehalt

In vitro Struvitkristallurie bei:

  • Harn wird gekühlt
  • Abgestandener oder offen stehen gelassener Harn

Wie kann die struvitgefahr minimiert werden?

  1. Lange Verweildauer des Harns in der Blase wirkt förderlich.
    Hunde sollten mehrmals täglich ausgeführt werden.
    Bei in der Wohnung lebenden Katzen ist die Anzahl der Toilettenplätze entscheidend. Faustregel: Anzahl der Katzen + 1 = minimale Anzahl der Katzentoiletten
  2. Eine gute Flüssigkeitsaufnahme sorgt für einen nicht zu stark konzentrierten Harn.
  3. Bei entsprechend veranlagten Tieren muss das Futter angepasst werden.
  4. Besitzer sollte bei entsprechend veranlagten Tieren den Harn pH kontrollieren. Wird der gemessene Wert zu alkalisch, sollte rechtzeitig eine frische Urinprobe beim Tierarzt untersucht werden.

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