Spulwürmer / Toxocara spp.

Infektionen mit Spulwürmern (Toxocara spp.) kommen sowohl bei Welpen als auch bei adulten Hunden und Katzen vor.

Bei adulten Tieren führt ein Befall nur selten zu klinischen Symptomen, bei Welpen dagegen können Spulwürmer schwere Erkrankungen hervorrufen.

Zudem verfügen Spulwürmer über ein erhebliches zoonotisches Potenzial. Im Menschen kann es nach oraler Aufnahme infektiöser Spulwurmeier zu einer somatischen Wanderung von Larven (Larva migrans visceralis) kommen. Werden bei dieser somatischen Wanderung Nervenbahnen, Auge und/ oder Gehirn des Menschen befallen, kann dies ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. 

Ob der Darm eines Tieres mit geschlechtsreifen Stadien befallen ist, lässt sich nur über regelmäßige Kotuntersuchungen klären. Hundewelpen können allerdings bereits, noch bevor eine Diagnose mittels Kotuntersuchung überhaupt möglich ist, im Mutterleib oder über die Muttermilch hochgradig mit Toxocara canis infiziert worden sein. 

Toxocara spp. produzieren enorme Mengen an sehr langlebigen Wurmeiern und verdienen damit bei Hunden über alle Altersstufen hinweg Beachtung.

Diagnostik und/oder Behandlung

Eine regelmäßige Diagnostik mittels Kotuntersuchung und anschließender Behandlung nur bei positivem Nachweis, ist einer routinemäßigen Entwurmung vorzuziehen!

 

Ist eine regelmäßige Diagnostik nicht möglich, orientieren sich die allgemeinen Empfehlungen an Leitlinenfragen zur Haltung, dem Alter und Gesundheitszustand der Tiere und mit ihm lebender Menschen.

Gruppe A - geringe Risiko

  • hat freien Auslauf mit Aufsicht
  • hat keinen Kontakt zu Artgenossen die nicht im Haushalt leben
  • frisst kein Aas
  • frisst keinen Kot von Artgenossen
  • frisst keine Beute
  • ist kein Jagdhund

Untersuchung und/oder Behandlung

1 bis 2 x im Jahr Kotuntersuchung oder Behandlung gegen Spul- und Bandwürmer.


Gruppe B - erhöhtes Risiko

  • hat freien Auslauf mit Aufsicht
  • hat Kontakt zu Artgenossen die nicht im Haushalt leben
  • frisst kein Aas
  • frisst keinen Kot von Artgenossen
  • frisst keine Beute
  • ist kein Jagdhund

Untersuchung und/oder Behandlung

4 x im Jahr Kotuntersuchung oder Behandlung gegen Spul- und Bandwürmer.


Gruppe C - hohes Risiko

  • hat freien Auslauf mit Aufsicht und Kontakt zu Artgenossen die nicht im Haushalt leben
  • frisst kein Aas
  • frisst keinen Kot von Artgenossen
  • frisst Beute
  • ist ein Jagdhund

Untersuchung und/oder Behandlung

12 x im Jahr Kotuntersuchung oder 12 x Behandlung gegen Bandwürmer und 4 x im Jahr gegen Spulwürmer.


Gruppe D - sehr hohes Risiko

  • hat freier Auslauf ohne Aufsicht
  • hat freier Auslauf mit Aufsicht und Kontakt zu Artgenossen die nicht im Haushalt leben
  • frisst Aas
  • frisst Kot von Artgenossen

Untersuchung und/oder Behandlung

12 x im Jahr Kotuntersuchung oder 12 x Behandlung gegen Spul- und Bandwürmer.


Gruppen mit besonderen Risiken

  • Sportwettkampf
  • Ausstellung
  • Tierpension
  • und andere

Untersuchung und/oder Behandlung

maximal 4 Wochen vor und 2-4 Wochen nach dem Ereignis


Professionelle Nutzung:

  • Therapiehund
  • Rettungshund
  • Polizeihund

12 x im Jahr, sofern ein Ausscheiden infektiöser Spulwurmstadien garantiert ausgeschlossen werden soll


Enges Zusammenleben mit:

  • kleinen Kindern
  • immungeschwächte Personen

12 x im Jahr, sofern ein Ausscheiden infektiöser Spulwurmstadien garantiert ausgeschlossen werden soll


Welpen

Hundewelpen sollten beginnend im Alter von 2 Wochen mit einem geeigneten Anthelminthikum behandelt werden. Anschließend wird die Behandlung in 2-wöchigen Abständen bis 2 Wochen nach dem Absetzen wiederholt.


Säugende Hündinnen

Säugende Hündinnen sollten gleichzeitig mit der ersten Behandlung ihrer Nachkommen behandelt werden, da sie parallel zu ihren Welpen patente Infektionen entwickeln können.


Trächtige Hündinnen

Für die Behandlung trächtiger Hündinnen mit dem Ziel, eine pränatale Infektion der Welpen zu verhindern, gibt es in Deutschland keine zugelassenen Präparate. Ein Schutz der Welpen konnte jedoch nachgewiesen werden mit z.B. der 2-maligen Anwendung von makrozyklischen Laktonen um den 40. und 55. Trächtigkeitstag bzw. der täglichen Anwendung von Fenbendazol ab dem 40. Trächtigkeitstag.


Kotuntersuchung

 

Kotuntersuchungen sollten der Risikogruppe entsprechend durchgeführt werden. Allerdings besteht die Einschränkung, dass über Kotuntersuchungen nicht sicher verhindert werden kann, dass bis zu einer Diagnose (zwischen den Untersuchungen) über mehrere Wochen infektiöse Eier ausgeschieden werden. Auch kann selbst bei negativem Kotprobenbefund nicht mit absoluter Sicherheit davon ausgegangen werden, dass ein Tier nicht mit Spulwürmern infiziert ist. Ursache kann z.B. eine präpatente Infektion oder die Ausscheidung von nur wenigen Spulwurmeiern und somit ein Unterschreiten der Nachweisgrenze der koproskopischen Untersuchung sein. 

Links und weiterführende Literatur

Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen Deutsche Adaption der ESCCAP-Empfehlung Nr. 1, Juli 2014