Filariosen

Dirofilaria immitis und Dirofilaria repens

Filarien gehören zu den °Nematoden. In Europa sind fünf verschiedene Arten beim Hund bekannt. Zwei Dirofilarienarten, die beim Hund zum Einen die Herzwurmkrankheit (Dirofilaria immitis) und zum Anderen die Hautwurmkrankheit (Dirofilaria repens) auslösen und drei andere Arten (Acanthocheilonema reconditum, A. dracunculoides und Cercopithifilaria grassi). Viele Stechmückenarten (Culex, Aedes, Anopheles) übertragen die Larven, die dann von der Haut in Blutgefäße und das Herz wandern und sich dort zu ausgewachsenen Würmern weiterentwickeln und dort sehr viele Jahre leben. Die Erkrankung wird inzwischen als "°Emerging Disease" eingestuft. Sie hat Zoonosepotential, denn die Parasiten können auch beim Menschen klinische Symptome auslösen. 

Klimaveränderungen in Kombination mit einer erhöhten Anzahl filarienpositiver Hunde (Reise/Import) begünstigen die weitere Ausbreitung und das Entstehen neuer Naturherde.

Wollen Sie mehr über diesen faszinierenden Parasit wissen? Ich nehme Sie gerne mit auf Entdeckungsreise.

Der Entwicklungszyklus

Anopheles (by Challiyan,  Wikipedia)
Anopheles (by Challiyan, Wikipedia)
  1. Im Wirt (meistens Hunde, Füchse und selten Katzen) geben °adulte weibliche Filarien nach Vereinigung mit adulten männlichen Filarien Mikorfilarien (Larvenstadium 1 (L1)) in das Blut ab. Im Blutstrom überleben die circa 280 bis 300 µm langen Mikrofilarien zwischen 2 und 18 Monate.
  2. Wird der Wirt von Stechmücken (Culex, Aedes, Anopheles) gestochen, nehmen diese die L1-Larven auf.
  3. In der Mücke findet nun die Entwicklung über das Larvenstadium 2 bis zum Larvenstadium 3 statt. Hierzu sollte es über 14° C warm sein. Bei Temperaturen über > 14 ° C ist die Entwicklung bei D. immitis innerhalb von 14 Tagen abgeschlossen. Die Larven von D. repens benötigen 10 bis 21 Tage bei 24-27 °C.
  • 4. Sticht die infizierte Mücke nun wieder einen Wirt, werden die L3-Larven aktiviert und wandern aktiv über den Stichkanal in den neuen Wirt eine. Bis zu 10 Larven können pro Stich und Saugakt so den Wirt wechseln.
  • Im Unterhautgewebe und in der Muskulatur häutet sich L3 noch zweimal. Die präadulten Würmer wandern dann zwischen Muskelfasern zum vorderen Abdomen, Thorax, Nacken, Vordergliedmaßen und Kopf, wo sie in größere Venen eindringen. D. immitis wandert in das rechte Herz, die Pulmonalarterien und die Vena cava ein. Hier reifen die Larven zu °adulten Würmern heran, die sich vereinigen und wieder Mikrofilarien hervorbringen. Bei D. repens erfolgen die letzte Häutung und die anschließende Vermehrung im Bindegewebe.
    Außerdem wandern die Larven manchmal auch an andere Orte wie die Peritonealhöhle, das ZNS, das Auge und in die Bronchien.
  • Der Kreislauf ist nun geschlossen. Insgesamt dauert der Prozess zwischen 5 und 7 Monaten.

Die Würmer

Diese °adulten Würmer erreichen eine Länge von 7 bis 17 cm. Die Lebensdauer von D. immits  wird beim Hund mit bis zu 7,5 Jahren angegeben. Auch D. repens überlebt im Wirt mehrere Jahre.

In neueren Untersuchungen wurden in den adulten Filarien sowie in allen Larvenstadien Bakterien der Gattung Wolbachia spp. identifiziert, die als Endosymbionten ... mit ihrem Wirt leben. Sie scheinen eine bedeutende Rolle für die °Vitalität (Lebenskraft) und °Fertilität (Fruchtbarkeit) der Nematoden zu spielen. Diese Entdeckung hat Eingang in die aktuellen Therapieempfehlungen gefunden.

Die Verbreitung

Dirofilaria immitis

Die Herzwurmkrankheit tritt im gesamten Mittelmeerraum über Frankreich (vom Süden bis über den 47. Breitengrad, nördlich von Paris) bis in die Südschweiz (Kanton Tessin). Hochendemiegebiete liegen in Norditalien (Poebene und Toskana) und auf den Kanarischen Inseln La Palma und Teneriffa auf. In der Poebene besteht mit 95 % die weltweit höchste Prävalenz, auf den Inseln sind

 

32 % bzw. 61 % der Hunde infiziert. Weltweit kommt die Herzwurmkrankheit auch im Nahen Osten, in Südostasien, in Afrika, in Amerika und Australien vor. Aufgrund der sich ändernden klimatischen Bedingungen in Mitteleuropa und einem regen Reiseverkehr mit Hunden sowie dem Import von Tieren aus Süd- und Osteuropa, werden nun auch Dirofilarien in Hunden oder in Stechmücken in bisher nicht-endemischen Gebieten entdeckt, auch in Deutschland. 

Dirofilaria repens

D. repens tritt hauptsächlich in Eurasien und Südafrike auf. Das autochthone Auftreten von D. repens beschreiben Wissenschaftler bei Hunden in Deutschland und Ostösterreich bereits seit einigen Jahren. D. repens ist humanpathogen, mit mehr als 270 in Europa beschriebenen Fällen. In Europa ist dieser Parasit im ganzen Mittelmeerraum, Portugal, auf den Kanaren und im Balkan (häufig in Ungarn) und in der Ukraine verbreitet.

Acanthocheilonema reconditum

Die 9 bis 26 mm große Filarienart Acanthocheilonema reconditum (früher Dipetalonema reconditum) lebt im subkutanen Bindegewebe, in Körperhöhlen und in der Niere. Überträger sind der Hunde- und Katzenfloh (Ctenocephalides canis und C. felis), vermutlich auch Läuse. Sofern es nicht zu Reinfektionen (via Floh) kommt, beträgt die Lebenserwartung max. 2 Jahre. Diese Filarienart ist in Europa in Italien, Griechenland, Spanien (incl. Kanaren) und Portugal verbreitet. In Südspanien ist sie weit häufiger vertreten als Dirofilaria immitis.

Acanthocheilonema dracunculoides

Die 10 bis 55 mm langen Filarien der Art Acanthocheilonema dracunculoides parasitieren in der Peritonealhöhle und sind in Europa derzeit nur aus Spanien und Portugal bekannt. Regional ist diese Filarienart in Spanien häufig. Überträger sind hier Lausfliegen (Hippobosciden).

Cercopithifilaria grassi

 

Die Filarienart Cercopithifilaria grassi ist in Europa bisher nur aus Italien bekannt. Diese Filarie wird ca. 2,5 cm lang und parasitiert im Bindegewebe (Subkutis, Muskulatur).

Pathogenese und Symptomatik Dirofilaria immitis

Hundeherz mit Herzwürmern, Alan R Walker, Wikipedia
Hundeherz mit Herzwürmern, Alan R Walker, Wikipedia

Die kardiovaskuläre Dirofilariose ist eine systemische Erkrankung, von der vor allem Lunge, Herz, Leber und Nieren betroffen sind.

Die Symptome sind sehr stark von der Anzahl der adulten Herzwürmer und ihrer Lokalisation abhängig. 

Bei Hunden mit einem D. immitis-Befall können die klinischen Symptome in vier Stadien eingeteilt werden, wobei in vielen Fällen auch nur einzelne unten angeführte Symptome evaluierbar sind.

Pathogenese/Körperliche Veränderungen

Die Filarien verursachen lokale Entzündungsreaktionen im Bereich des rechten Herzens und der Lungenarterien. Das Gefäßlumen verengt sich und Elastizität der Blutgefäße nimmt ab. Die durch Entzündung geschädigten Blutgefäßentothelien setzen vasoaktive Substanzen frei. In Folge kommt es zu weiterer Vasokonstriktion führen und dadurch zur pulmonalen Hypertension. Der Körper versucht nun den erhöhten arteriellen Druck im Lungenkreislauf auszugleichen. Dies führt zu einer Rechtsherzhypertrophie und Rechtsherzinsuffizienz. Die mechanische Behinderung des Blutflusses im Bereich der Trikuspidalklappe führt zu Wirbelströmungen und dadurch zur traumatischen Schädigung der Erythrozytenmembran. Gemeinsam mit der chronischen systemischen Entzündungsreaktion führt dies einerseits zu einer hämolytischen Anämie mit Hämoglobinurie, andererseits zu einer verminderten Regeneration des roten Blutbildes.

 

 

Symptome

Stadium 1

Die Tiere zeigen keine oder nur geringe Symptome: seltener, oft leistungsabhängiger Husten und eine verminderte Leistungsbereitschaft

Stadium 2

Der Husten ist inzwischen chronisch, tritt auch schon im Ruhezustand auf. Die Tiere zeigen Gewichtsverlust, die Kondition nimmt ab. Anstrengungsdyspnoe und Anämie kommen dazu.

Stadium 3

Herz- und Lunge sind so stark verändert, dass sie sich beim Thoraxröntgen und Herzultraschall nachweisen lassen. Tachykardie,  Tachypnoe, Anämie, ein systolischer Jugularvenenpuls, Hepatomegalie, Gallenblasenwandödem, Aszites und Liquidothorax können auftreten. In seltenen fällen tritt perakut Schock und intravasale Hämolyse auf.

Stadium 4

Akutes Vena-Cava Syndrom mit zumeist letalen Ausgang.

Prognose

Stadium 1

Wird die Krankheit in diesem Stadium erkannt, ist die Prognose sehr gut bis gut.

 

Stadium 2

Wird die Krankheit in diesem Stadium erkannt, ist die Prognose oft noch gut, manchmal aber schon vorsichtig zu beurteilen.

 

Stadium 3

Die Prognose ist nur noch vorsichtig zu beurteilen.

 

 

 

 

 

 

 

Stadium 4

Die Prognose ist schlecht. Die meisten Tiere werden sterben.


Pathogenese und Symptomatik Dirofilaria repens

Die Hautwurmerkrankung durch D. repens führt zur Entwicklung von subkutanen Brutknoten. Diese Knoten können innerhalb weniger Wochen eine Größe von 2 bis 5 cm erreichen und haben eine derb-elastische Konsistenz. Die Gebilde verursachen keine Schmerzen und sind reaktionslos gegenüber dem umgebenden Bindegewebe. Selten können die adulten Filarien auch in Körperhöhlen subperitoneal oder subpleural anzutreffen sein. Solange die Filarien vital sind, kommt es im Bereich der Brutknoten zu einer milden Immunreaktion gegen den Nematoden. Erst das Absterben der Würmer kann zu teils heftigen Entzündungsreaktionen führen. Die Wanderung und Weiterentwicklung der Larven führt mitunter zu einer Dermatitis, in Einzelfällen auch zu Vaskulitis in der Haut.

D. repens wird beim Hund zumeist zufällig bei dem chirurgischen Eröffnen oder Entfernen von subkutanen Umfangsvermehrungen diagnostiziert oder bei einer ausgeprägten Mikrofilariämie im Blutausstrich. Im Rahmen der Tumordiagnostik sind sie oft Zufallsbefund. 

Beide Filarien

In seltenen Fällen wurden in Europa bei Infektionen mit D. immitis oder D. repens Erkrankungen der Augen und Bindehäute beschrieben.

Mikrofilarien können generell durch die Aktivierung des Immunsystems und Bildung von Antigen-Antikörperkomplexen, sowohl eine Glomerulonephritis, als auch eine Vaskulitis und Pneumonie verursachen.

Hypersensitivitätsreaktionen auf Mikrofilarien wurden bei einigen Hunden nach der Gabe von makrozyklischen Laktonen vermutet. Sehr selten kann es bei sehr hoher Mikrofilariendichte und plötzlichen mechanisch verursachten Durchblutungsstörungen, wie zum Beispiel bei einer Magendrehung, zu Thrombosen und Thromboembolien mit daraus resultierenden schweren Organschäden kommen.

Diagnostik

 1. Indirekter Erregernachweis

Antigennachweis (ELISA) aus dem Serum der adulten weiblichen Filarien. 

Achtung: Der Antigentest zeigt nur das Vorhandensein von weiblichen adulten Filarien an und kann frühestens 5 bis 6 Monate nach der Erstinfektion positiv ausfallen. Bei Hunden, die eben erst aus einem Endemiegebiet nach Mitteleuropa eingereist sind, sollte nach 6 Monaten immer ein Kontrolltest durchgeführt werden!

Achtung: Falsch negative Resultate liefert der Antigen-Test bei einem Befall mit ausschließlich männlichen Filarien und in der Phase der Präpatenz.

Achtung: Bei mit makrozyklischen Laktonen behandelten Hunden kann es zu einer Blockade des Antigens durch Bindung von Antikörpern kommen. Auch in diesem Fall ist das Testergebnis falsch negativ. Wird die Serumprobe auf 103°C erhitzt, kann sich diese Antigen-Antikörper-Bindung lösen und so das nunmehr freie Antigen im Test reagieren. Die Sensitivität des Antigennachweises  wird dadurch deutlich verbessert.

 

 2. Direkter Erregernachweis

Nachweis der Mikrofilarien im Blutausstrich, Knott-Test aus EDTA-Blut nachgewiesen werden. Zum Nachweis von Mikrofilarien sollte die Blutprobe in den Abendstunden oder frühen Morgenstunden abgenommen werden, da hier die Nachweiswahrscheinlichkeit deutlich höher liegt als um die Mittagszeit. Auch werden im Frühjahr und im Sommer häufiger Mikrofilarien nachgewiesen als im Herbst und im Winter.

 3. Als Alternative zum Knott-Test kann auch eine PCR (EDTA-Blut, Bluttropfen auf Filterpapier) durchgeführt und zusätzlich zur Differenzierung der Mikrofilarien eingesetzt werden (D. immitis versus D. repens), was als wichtiger Entscheidungsfaktor für die Wahl der Therapie gilt. 

4. C-reaktives Protein: Der Nachweis von erhöhtem C-reaktiven Protein im Serum korreliert mit dem Schweregrad der klinischen Symptomatik, nicht aber mit dem Auftreten einer Mikrofilariämie.

5. Troponin I-Wert: Herzmuskelschäden lassen sich serologisch mit einem erhöhten Troponin I-Wert nachweisen.

6. D-Dimere: Das Auftreten von erhöhten D-Dimeren als biologischer Marker für eine Fibrinolyse wurde bei der caninen Herzwurmerkrankung mit Mikrofilariämie als Hinweis auf pulmonalen Thromboembolismus gewertet.

7. Thoraxröntgen: Mittels Thoraxröntgen schätzt man den Schweregrad der Lungenveränderungen ab.

8. Ultraschall: Mit der echokardiographischen Untersuchung können, bei hoher Befallsstärke, Nematoden im rechten Herz und im Anfangsteil der Pulmonalarterien visuell dargestellt sowie der Schweregrad der pulmonalen Hypertension berechnet werden. Eine Ultraschalluntersuchung von verdächtigen Hautknoten kann auch bei der subkutanen Dirofilariose die adulten Würmer darstellen.

Besondere Schwierigkeiten

 Bei ca. 15 % der Hunde tritt eine okkulte  (verdeckte) Herzwurminfektion auf. Dabei sind adulte Dirofilarien beider Geschlechter zwar vorhanden, aber es werden keine Mikrofilarien im peripheren Blut nachgewiesen. Die Ursache scheint in der individuellen Immunantwort der Hunde zu liegen. Bei mikrofilariämischen Hunden reagiert das Immunsystem mit einer primär humoralen (Typ-2) Immunantwort auf Dirofilaria immitis, wohingegen bei amikrofilariämischen Hunden eine zelluläre (Typ-1) Immunantwort vorherrscht, welche auch mit dem Vorhandensein von Wolbachia spp. in den Filarien assoziiert zu sein scheint.

Bei Hunden mit einer kardiopulmonalen Dirofilariose sind Blutbildveränderungen generell unspezifisch.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, dass ein Reisescreening heute das wichtigste und auch erfolgversprechendste Nachweisverfahren der caninen Dirofilariose ist. Auch führt oft der Zufall zur Diagnose.

Therapie D. immitis

Die Behandlung erkrankter Tiere ist komplex und besteht aus folgenden Bausteinen.

Ihr Tier hat aufgrund seiner Dirofilariose besondere gesundheitliche Probleme. Wir empfehlen eine Überprüfung der Fütterung. So kann sichergestellt werden, dass besondere Befürfnisse abgedeckt sind.


Achtung: Die Behandlung sowohl der Filarien als auch der Mikrofilarein kann zu heftigen, teils tödlichen Nebenwirkungen führen. Haben Sie einen Hund mit einem positiven Testergebnis, lassen Sie sich bitte intensiv von Ihrem/r Tierarzt/ärztin beraten! 

Beachten Sie auch unbedingt unseren Disclaimer weiter unten.

Behandlungsschema der American Heartworm Society (AHWS)

  • Die Therapie beginnt mit 4 Wochen Doxycyclin (10mg/kg 2-mal täglich oral) zur Elimination der Wolbachien.
  • Nach 4 Wochen einmalig eine Injektion Melarsamin.
  • 30 Tage später zweimalige Injektion Melarsamin im Abstand von 24 Stunden durchgeführt.
  • Begleitend ab dem ersten Tag wird eine monatliche Therapie mit mikrofilariziden Medikamenten begonnen.
  • Prednisolon (0,5mg/kg zweimal täglich oral über 2–4 Wochen langsam ausschleichend) kann zur Reduktion der Bronchopneumonie und allergischen Reaktionen des Körpers zu Beginn der Therapie und bei Reaktionen auf die adultizide Therapie verabreicht werden und wird in erster Linie bei Tieren mit bereits vorhandenen deutlichen Symptomen empfohlen. Man muss allerdings bedenken, dass Prednisolon auch die Thrombosierungsneigung zu verstärken scheint. Als prophylaktische Maßnahme bei asymptomatischen Tieren, scheint die Gabe von Steroiden nicht sinnvoll zu sein. 

    Positiv: Die Effizienz erreicht hier 98 Prozent bei reduzierten Nebenwirkungen durch das zeitlich verteilte Abtöten der Filarien. Das Protokoll zeigt gegenüber dem klassischen Äquivalent mit zwei Injektionen deutlich Vorteile für den Patienten hinsichtlich der Neigung zur pulmonären Thromboembolie. Zusätzlich wird mit diesem Protokoll auch jener kritische Zeitrahmen innerhalb einer Infektion überbrückt, in dem Herzwurmstadien (Larve 4, praeadulte Stadien) vorhanden sind, die weder auf Melarsamin noch auf ein makrozyklisches Lakton ansprechen.
    Negativ: Dieses Schema scheint in Tierheimen und in Regionen mit möglichen Resistenzentwicklungen in den USA teilweise auch eine deutlich niedrigere Effektivität aufzuweisen.   

Alternative für Hunde der Stadien 1 und 2

  • Gestartet wird mit einem makrozyklischen Lakton und einer 3-wöchigen Doxycyclin-Therapie.
  • Nach 4 Wochen erfolgt eine zweimalige Injektion Melarsamin im Abstand von 3 Tagen.
  • Von da an wird die Gabe des makrozylischen Laktons monatlich weiter aufrechterhalten bis das Tier im Antigentest negativ ist. Nach 3 Monaten erfolgt die erste Kontrolluntersuchung (Antigentest).
  • Sofern das Ergebnis positiv ausfällt, setzt man die monatliche Gabe des makrozyklischen Laktons fort. Nach 6 Monaten wird bei Bedarf die 2. Kontrolluntersuchungen durchgeführt (Antigentest).
    Zu diesem Zeitpunkt zeigt sich, betreffend eines negativen Testresultates des Antigentests, eine Effizienz der Therapie von 93 Prozent, verglichen mit circa 50 Prozent nach 3 Monaten. Sofern der Test nach 6 Monaten noch immer positiv sein sollte, kann mit dem Fortführen der makrozyklischen Lakton-Therapie (Übergang zum ‚slow-kill‘-Protokoll) die Erregereliminierung zumeist innerhalb von 3 Monaten erzielt werden.

Bisherige Standarttherapie

Als Adultizid wird beim Hund Melarsamin eingesetzt. Die vom Hersteller empfohlene Standardtherapie beinhaltet eine zweimalige intramuskuläre Injektion von jeweils 2,5 mg/kg in die Lumbalmuskulatur im Abstand von 24 Stunden mit einer Effizienz von 96 Prozent.

Eine Sedierung des Patienten kann notwendig sein, um Abwehrbewegungen beim Einstechen der Injektionsnadel zu vermeiden und damit die versehentliche intravasale Applikation zu verhindern.

Die häufigste Nebenwirkung sind Schmerzen im Bereich der Einstichstelle für 24 Stunden. Vor allem, wenn bereits deutliche klinische Symptome durch die Dirofilariose hervorgerufen werden, kann es im Zuge dieser Therapieform zu letalen (tödlichen) Nebenwirkungen (Lungeninfarkt, allergischer Schock) kommen. Sobald die adulten Filarien absterben und deren äußere Haut desintegriert, werden vermehrt Endosymbionten frei. Dies führt zu einer starken Reaktion des Immunsystems mit Aktivierung des Gerinnungssystems. Durch Anlagerung von Thrombozytenaggregaten und lokalen oder systemischen Entzündungsreaktionen sowie, infolge des Abschwemmens von abgetöteten Dirofilarien in den Lungenkreislauf, entsteht eine mechanische Obstruktion der Lungenarterien. Diese Verlegung resultiert oft in einer Embolie. Prinzipiell sollten Hunde mit einer D. immitis-Infektion bewegungsrestringiert werden, da ein transient erhöhter Blutdruck die Wahrscheinlichkeit von Thromboembolien erhöht und den Lungenkreislauf vermehrt belastet.  

Die durch das Absterben der Dirofilarien hervorgerufenen Symptome werden zumeist 5–7 Tage nach der intramuskulären Injektion beobachtet, prinzipiell können entsprechende Nebenwirkungen, wie eine verstärkte lokale Entzündungsreaktion in der Lunge, aber auch noch Wochen nach der Therapie auftreten. 

Slow-Kill-Protokoll-Therapie

Das Slow-Kill-Protokoll wird vor allem in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu Melarsamin oder begrenzten finanzielle Ressourcen der Hundebesitzer angewandt. Die zusätzliche Gabe von Doxycyclin scheint sich auch hier positiv auszuwirken. Kombinationstherapien mit makrozyklischen Laktonen und Doxycyclin haben  einen positiven Effekt auf die Parasiteneliminierung, da dabei sowohl die Larven als auch die Endosymbionten (Wolbachia spp.) der adulten Würmer und damit auch die Makrofilarien deutlich reduziert werden konnten. Die Kombination aus Doxycyclin (10 mg/kg einmal täglich für 30 Tage) und 6 μg/kg Ivermectin +5 mg/kg Pyrantel (alle 15 Tage für 6 Monate) führte nach 3 Monaten zur Elimination der Mikrofilarien (in dieser Studie wurde kein Melarsomin eingesetzt). Nach 10 Monaten waren 73 Prozent der Hunde im Antigentest für adulte Filarien negativ. Doxycyclin führt zur Sterilisation der weiblichen Würmer und unterbindet damit die Freisetzung von Mikrofilarien, was den jeweiligen Patienten als Reservoir für die Vektormücken ausschließt. Zusätzlich wurde gezeigt, dass Doxycyclin auch einen negativen Effekt auf die übertragene Larve 3 in der Frühphase der Infektion hat sowie die Maturation und Vitalität der Nematoden reduziert.

Anstelle von Doxycyclin hat auch Minocyclin diesen gewünschten Effekt. Minocyclin zeigt eine höhere Bioverfügbarkeit und ist lipophiler als Doxycyclin, was die Penetration in die Zellen verbessert. Es ist bekannt, dass makrozyklische Laktone, über einen längeren Zeitraum regelmäßig verabreicht, ebenfalls zur Reduktion von adulten Filarien führt. Allerdings ist dieser Effekt stark zeitabhängig und impliziert die gewissenhafte regelmäßige Gabe der Präparate.

Diese als ‚slow-kill‘- Methode durchgeführte Therapieform kann zwar in einigen Studien schon nach einigen Monaten zum Therapieerfolg und Erregerelimination führen, allerdings zeigt die Praxis, dass oftmals 12 bis 18 Monate vergehen, bis die Therapie abgeschlossen werden kann. 

Der Nachteil dieser Therapieform ist, dass ein Aussetzen der Therapie, auch nur für wenige Wochen, die Gefahr des Aufflammens einer Mikrofilariämie birgt, was den Patienten wieder zu einem potenziellen Naturherd macht.

Grundsätzlich sollten alle Tiere mit einer Mikrofilariämie, ungeachtet von etwaigen klinischen Symptomen, mit einem mikrofilariziden Präparat behandelt werden, um den Prozess der Endemisierung zumindest zu verlangsamen.

Therapie D. repens

Bei einem Befall mit D. repens sollten adulte Würmer in der Unterhaut chirurgisch entfernt werden. Der Einsatz von Melarsamin ist hier in der Regel nicht indiziert und könnte durch das rasche Absterben der Filarien zur Abszessbildung führen. Die bereits oben beschriebene Kombinationstherapie aus Doxycyclin und einem makrozyklischen Lakton zeigt laut Literatur auch bei D. repens eine gute Wirksamkeit, wobei in Europa Moxidectin eine entsprechende Arzneimittelzulassung zur Therapie der kutanen Dirofilariose hat. 

Prophylaxe

Die mikrofilarizide Therapie beziehungsweise die Prophylaxe der Dirofilariose kann mit makrozyklischen Laktonen wie Moxidectin, Milbemycinoxim, Ivermectin oder Selamectin durchgeführt werden.

Auf mögliche Nebenwirkungen bei MDR-1 positiven Hunden ist je nach Präparat und Darreichungsform zu achten.

Nebenwirkungen wurden selten und vor allem bei hochgradigem Auftreten von Mikrofilarien im peripheren Blut berichtet und als akute Schockreaktion beschrieben. Die Anwendungen wirken auch im Sinne einer postexpositionellen Prophylaxe bei Infektionen, die bis zu 30 Tage vor der Medikamentengabe erworben wurden. Somit sollte auch die medikamentöse Prophylaxe gegen die Dirofilariose innerhalb von 30 Tagen nach Beginn der Exposition durchgeführt werden und von da an monatlich bis zur Rückkehr in ein nichtendemisches Gebiet. Aufgrund möglicher Resistenzen wird eine weitere Applikation 30 Tage nach der Rückkehr empfohlen. Zusätzlich sollten repellente Präparate bei äußerer Anwendung zur Mückenabwehr eingesetzt werden. 

Zoonoseaspekt und Epidemiologie in Mitteleuropa

Beim Menschen entwickeln sich Dirofilarien zumeist nicht bis zum Adultstadium, und es wird nur in Ausnahmefällen eine Mikrofilariämie nachgewiesen. Beide Dirofilarien haben aber prinzipiell ein zoonotisches Potenzial, und eine zunehmende Anzahl an infizierten und teilweise auch symptomatischen Menschen weist auf diesen Umstand in Europa hin. Subkutane, okulare oder pulmonale Granulome wurden beschrieben und fälschlicherweise immer wieder als Neoplasien klassifiziert. Es ist bereits nachgewiesen, dass die bloße Anwesenheit von infizierten und unbehandelten Hunden zu einer höheren Infektionsrate bei Menschen in unmittelbarer Umgebung dieser Hunde führt. Problematisch für Mitteleuropa sind unbehandelte positive Hunde (Import- wie auch Reisetiere), die ein Reservoir für den Parasiten darstellen und den Infektionsdruck auf die heimischen Tiere und den Menschen erhöhen und weiter erhöhen werden.

Die meisten Hunde mit einer diagnostizierten Herzwurmerkrankung wurden aus Italien, Griechenland und Spanien importiert. In den letzten Jahren spielen aber auch Importtiere aus Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Polen und Serbien eine zunehmende Rolle.

Aktuell scheint sich die epidemiologische Situation in Mitteleuropa zu ändern. Dirofilaria repens wird in zunehmendem Maße in Mücken und Hunden, aber auch in Menschen diagnostiziert und scheint in weiten Gebieten bereits zu autochthonen Fällen zu führen. Das teilweise massenhafte Auftreten autochthoner Fälle von Infektionen mit D. immitis beim Hund in Ungarn, der Slowakei, dem rumänischen Donaudelta sowie positiv getestete Mücken in Deutschland, müssen als Hinweise auf die voranschreitende Endemisierung dieses Parasiten in Mitteleuropa gewertet werden

Weiteführende Literatur und Links

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