RHD (Rabbit Hemorrhagic Disease)

Die RHD, auch unter den Namen VHD (Viral Hemorrhagic Disease) oder VHS (Virales Hämorrhagisches Syndrom) bekannt, ist eine hoch ansteckende, meist akut tödliche Krankheit des Kaninchens, die durch die Infektion mit dem RHD-Virus, einem Calici-Virus, verursacht wird. Der erste Ausbruch erfolgte 1984 in China. Heute kommt es auf der ganzen Welt vor.

Varianten

1. RHDV“, erstmals 1984 nachgewiesen.

2. RHDVa, erstmals im Jahr 1996 nachgewiesen

3. RHDV-2 (auch RHDVb genannt), erstmals 2010 in Frankreich ausgebrochen.

 

 

Das klassische RHDV und RHDVa sind dermaßen eng verwandt, dass zwischen diesen beiden Varianten eine nahezu vollständige Kreuzimmunität auftritt. Was bedeutet, dass nach Kontakt durch eine Impfung mit einem der beiden Erreger gleichzeitig auch die Immunität gegen den anderen Erreger bewirkt wird. Das RHDV-2 unterscheidet sich von seiner Oberflächenstruktur vom klassischen RHDV und RHDVa und hat sich mittlerweile auf das gesamte Bundesgebiet ausgebreitet.

 

 

Empfängliche Tierarten

RHDV und RHDVa befällt fast ausschließlich europäische Kaninchen. RHDV-2 hingegen wurde außer beim Europäischen Kaninchen auch beim Kaphasen, dem Korsikahasen und 2014 in Deutschland beim Europäischen Hasen nachgewiesen.

 

RHD ist keine auf den Menschen übertragbare Krankheit und ist außer für Kaninchen nicht gefährlich für andere Haustiere. Wo sich das Virus zwischen den Ausbrüchen aufhält, ist noch nicht eindeutig geklärt. Die Virusreplikation scheint nur in den oben genannten Tierarten stattzufinden, aber auch Raubtiere können nach dem Verzehr eines infizierten Kaninchens Viren über den Kot ausscheiden.

 

Übertragung

RHD ist sehr ansteckend und verbreitet sich sowohl durch direkten Kontakt zwischen Kaninchen, als auch indirekt über Urin und Kot von infizierten Kaninchen oder verunreinigtes Wasser, Futter, Kleidung, Schuhe, Hände und Käfige. Zusätzlich kann eine mechanische Übertragung über Insekten wie Mücken und Fliegen stattfinden. Das Virus ist auch außerhalb des Wirtes sehr widerstandsfähig und kann über Monate in Kadavern infektiös bleiben.

 

Klinische Symptome

Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch von RHDV und RHDVa ist meist kürzer (ein bis drei Tage) als die der RHDV-2 (drei bis fünf Tage). Bei allen Infektionen sterben die meisten Tiere ohne vorausgegangene Symptome. Bei der akuten Verlaufsform aller Formen zeigt das Kaninchen in den letzten 12 bis 36 Stunden vor dem Tod deutliche Symptome, wie Fieber (über 40°C), Appetitlosigkeit, Schwäche, (akute) Benommenheit, Blutungen, schaumiger Nasenausfluss, Zähneknirschen, rötliche oder bläuliche Verfärbung der Schleimhäute und/oder neurologische Symptome (Anfälle, Ataxie, Lähmungen, Zittern). Aus diesem Grunde ist es unmöglich mit bloßem Auge zu diagnostizieren, ob es die klassische Variante ist oder der RHDV-2. Bei einem kleinen Teil der Tiere kann die Erkrankung chronisch verlaufen, insbesondere im Fall von RHDV-2. Solche Tiere zeigen häufig Gewichtsverlust und können immer noch nach ein bis zwei Wochen sterben. Sporadisch, vor allem bei RHDV-2, überleben einzelne Kaninchen die Infektion - diese Tiere zeigen nachweislich eine ausgeprägte Immunität gegen RHDV-2.

 

Differenzierung zwischen RHD und RHDV-2

 Wenn plötzlich mehrere Kaninchen einer Gruppe versterben, sollte zuerst an die klassische RHD gedacht werden. Wenn die Tiere gegen RHDV geimpft waren, ist eine RHDV-2 Infektion möglicherweise die Ursache. Zusätzlich zum plötzlichen Tod eines Kaninchens sollten neben der RHD auch andere regelmäßig auftretende Erkrankungen in Betracht gezogen werden, wie z.B. akute Pasteurellose (Kaninchenschnupfen), die häufig mit einer Lungenentzündung einhergeht, Encephalitozoon Cuniculi, Herzversagen, Hitzeschock und unbemerkt verlaufende chronische » RHDV-2 unterscheidet sich von seiner Oberflächenstruktur vom klassischen RHDV und RHDVa « Dieses Tier zeigt deutliche Symptome der RHD (blutiger und schaumiger Ausfluss aus der Nase). Ob es sich um das RHDV oder RHDV-2 handelt, muss im Labor untersucht werden. Krankheiten, wie z.B. Myxomatose, Zahnprobleme, Kokzidiose und Enterocolitis. Verstorbene Tiere untersuchen lassen! Angesichts der häufig vorkommenden plötzlichen Sterblichkeit kommt der Untersuchung nach dem Tod der Tiere gerade jetzt eine sehr große Bedeutung zu.

 

 

Was kann man vorbeugend tun?

  •  Tiere impfen lassen
  • Kein Grünfutter von Wiesen füttern, auf denen Wildkaninchen oder Feldhasen leben
  • Mückenschutz
  • Schutz vor Schadnagern
  • Einsatz von Desinfektionsmitteln mit einer Wirkung gegen Viren (Viruzid, wirksam gegen unbehüllte Viren)
  • Neue Tiere mindestens 2 Wochen in Quarantäne halten.
  • Bei einem Krankheitsausbruch nach Desinfektion den Stall für mindestens 8-12 Wochen nicht neu belegen und alle Werkzeuge und Einrichtungsgegenstände wie Besen, Schaufeln, Näpfe entsorgen oder ausreichend desinfizieren.

 

Was tun mit verstorbenen Tieren?

Im gesetzlichen Rahmen ist die Entsorgung über die Tierkremierung oder Tierkörperbeseitigung und das Vergraben einzelner Tiere unter einer mindestens 50 cm hohen Erdschicht möglich.

 

Das Vergraben kann nicht empfohlen werden, da die Viren in Kadavern optimale Bedingungen vorfinden und hier besonders lange überleben!

 

Was bewirkt die Impfung beim Kaninchen?

 

 

Bei einer aktiven Immunisierung wird das Immunsystem der Kaninchen zur Bildung einer erregerspezifischen Immunkompetenz, der Bildung von Antikörpern, angeregt, ohne dass die Infektionskrankheit bei dem geimpften Kaninchen ausbricht. In der Regel kommen Lebend- oder Totimpfstoffe zum Einsatz. Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, allerdings noch vermehrungsfähige Erreger, welche die Krankheit beim geimpften Kaninchen jedoch nicht auslösen. Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder nur Bruchteile eines Erregers.

Das geimpfte Kaninchen kann  nach einer Infektion sehr schnell viele Antikörper produzieren, damit die Infektionskrankheit nicht ausbrechen kann. Eine Impfung gegen RHD kann also nicht vor einer Infektion schützen!  Die Erreger können nach wie vor in den Körper der Kaninchen eindringen und sie befallen, unabhängig davon, ob die Kaninchen mit Tot- oder Lebendimpfstoffen immunisiert worden sind. Eine Impfung ermöglicht jedoch dem Immunsystem, nach einer Infektion sehr schnell zu reagieren und den Erreger zu besiegen.